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Elektrosicherheit auf der Baustelle

Montag, 13. Dezember 2010 um 16:12

Elektrosicherheit auf der Baustelle

Arbeiten auf Baustellen ist besonders gefährlich, auch was die Elektrosicherheit betrifft. Jährlich sterben auf deutschen Baustellen zwischen 10 und 15 Beschäftigte bei Elektrounfällen. Stromunfälle sind zwar zum Glück relativ selten, doch haben sie meist gravierende Folgen.

Strom fließt nur in einem geschlossenen Stromkreis. Bei einem Stromunfall wird der menschliche Körper Teil des Stromkreises. Man spricht dabei von Durchströmungsunfall. Je nach Stromstärke und Einwirkungsdauer (Zeit) reagiert der Körper unterschiedlich auf eine Durchströmung. Die Beschwerden reichen von unangenehmem Kribbeln in den Fingern bis hin zu schmerzhaften Muskelkrämpfen und Atemproblemen, zum Herzstillstand oder zu schweren Verbrennungen.

Elektrogefahren auf der Baustelle

Mechanische, chemische und klimatische Beanspruchung wie Staub, Wasser, Chemikalien, hohe Temperaturen und UV-Strahlung lassen Kabel, Leitungen und Steckvorrichtungen schneller spröde werden. Dadurch wird ihre Isolationsfähigkeit beeinträchtigt und es kommt zu Unfällen. Wird der Sicherheitsabstand zu Frei und Fahrleitungen nicht eingehalten, führt dies ebenfalls zu Unfällen. Auch nicht vorschriftsmäßige Speisestellen für die Elektroenergieversorgung auf Baustellen sind immer wieder Ursache für sehr schwere Unfälle, zum Teil mit tödlichem Ausgang.

Elektrosicherheit – die Arbeitgeberpflichten

Arbeitgeber müssen alle eingesetzten elektrischen Geräte und Anlagen regelmäßig auf Funktionsfähigkeit und elektrische Sicherheit prüfen – das gilt auch für Baustellen. Das schreibt die Betriebssicherheitsverordnung und speziell die Berufsgenossenschaftliche Vorschrift BGV A3 vor. Nach § 3 Abs. 3 der Betriebssicherheitsverordnung hat der Arbeitgeber aufgrund der Gefährdungsbeurteilung, der Herstellerinformationen und der vorgesehenen Betriebsweise Art, Umfang und Fristen von Prüfungen sowie die prüfende Person festzulegen. Die empfohlenen Abstände zwischen den Prüfungen liegen zwischen zwei und vier Jahren. Durch Prüfungen lassen sich auch nicht sichtbare Mängel erkennen und beseitigen. Arbeitgeber müssen die Beschäftigten außerdem regelmäßig über den sicheren Umgang mit elektrischen Geräten unterweisen.

Das sollten Sie prüfen, um Elektrounfälle auf Ihrer Baustelle zu vermeiden:

  1. Werden ausschließlich hochbelastbare, keine PVC-haltigen Leitungen mit geeigneten Steckvorrichtungen und Kupplungen verwendet?
  2. Sind alle Leitungen vor Beschädigung geschützt durch:
    • Hochlegen
    • Abdecken
    • Eingraben im Schutzrohr
  3. Weisen alle Leitungsroller auf:
    • CE-Zeichen
    • Schutzisolation
    • Spritzwasserschutz (mind. IP X4)
    • Thermoschutzschalter
    • Isolierstoffgehäuse
  4. Werden Leitungsroller so abgerollt, dass Isolationsschäden durch Aufheizung vermieden werden?
  5. Entsprechen flexible Leitungen der Bauart HO7RN-F oder mindestens einer gleichwertigen Bauart?
  6. Verfügen handgeführte Elektrowerkzeuge über eine Anschlussleitung vom Typ HO7RN-F oder gleichwertiger Bauart und entsprechen sie mindestens der Schutzart IP 2X?
  7. Werden bei besonderen Umgebungsbedingungen wie Nässe ergänzende Maßnahmen wie Wetterschutz, Abdeckungen und Schutzhauben getroffen oder werden die Arbeiten eingestellt?
  8. Werden beschädigte elektrische Leitungen sofort gemeldet und ausgetauscht?
  9. Werden nur elektrische Geräte mit Prüfzeichen wie CE, GS, VDE, ENEC oder PRÜFZERT eingesetzt?
  10. Sind Kleinstbaustromverteiler mit einem Erdungsleiter (mind. 10 mm 2 Cu, flexibel, isoliert) versehen und erhalten sie eine feste Erdverbindung mittels Zwinge oder Erdspieß?
    Bitte beachten: Weder der Kleinstbaustromverteiler noch der Erder dürfen mit dem Schutzleiter des Versorgungsnetzes verbunden sein.

13.12.2010 kab

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